Die Lieblingsweingüter von VINUM

 

Vignobles Dubourdieu, Bordeaux

Dies ist für uns ein emblematischer Betrieb, weil hier, uns zur Freude und zum Genuß, aus der Verbindung von forschender önologischer Wissenschaft und praktischer Winzer-Arbeit bestes zeitgemäßes, nach vorn gerichtetes Weinmachen entstanden ist.

Den ersten Dubourdieu-Wein der neuen Generation habe ich 1984 getrunken. Ich besuchte meinen holländischen Freund Hans Hylkema (er machte später Wein bei Montus und Château Roquefort), der bei Denis Dubourdieu in Bordeaux Önologie studierte, und mir Clos Floridene blanc sec vorsetzte. Es war ein einschneidendes Geschmackserlebnis, wie seitdem nie wieder. Alle weiteren geschmacklichen Erfahrungen seitdem sind für mich weniger revolutionär, als evolutionär gewesen.

Seit langem ist Denis Dubourdieu ein forschender, wissenschaftlich arbeitender Önologe mit globalem Einfluss. Er hat grundlegende Untersuchungen zu Weinaromen und ihren Vorstufen in den Trauben gemacht (unter anderem das für den Duft/Geschmack von Sauvignon verantwortliche Molekül isoliert, also quasi herausgefunden, 'warum Sauvignon wie Sauvignon schmeckt'), weitreichende Erkenntnisse über die wichtige Rolle der Hefen im Wein gewonnen, über Tannine und Farbstoffe geforscht aber ebenso als Winzer  diese Forschungsergebnisse in der Praxis zu emblematischen Weinen verarbeitet. Daraus hat sich die "Schule Dubourdieu" entwickelt, deren Leitlinien in der Praxis von Weinbergs- und Kellerarbeit weltweit Anwendung finden und selbstverständlich auch Qualität und Charakter seiner eigenen Weine bestimmen. Dubourdieu betont dabei die Notwendigkeit, diese Leitlinien immer auf die jeweils vorhandenen Bedingungen zu beziehen und nicht schematisch zu arbeiten. So könnte man erfahren, wie Bordeaux-Weine, ob weiß oder rot, unter den vorgegebenen Rahmenbedingungen von Boden, Klima und Rebsorten, 'eigentlich' schmecken würden, wenn sie nicht vom "Massengeschmack nach unten", sondern vom "Terroir nach oben" gearbeitet werden.

Die Weine von Denis Dubourdieu, die wir seit Mitte der 1980er Jahre im Programm haben, gehören in diese Kategorie. Obwohl nicht klassifiziert, haben sie sich in dieser Zeit unter hoch renommierten Weinen des Cru Classé-Bereichs etabliert. Allerdings: verglichen mit den Preisen, die für klassifizierte Weine heute aufgerufen werden, sind Dubourdieus Weine ausgesprochen "billig". Wer glaubt, Bordeauxweine seien sowieso überteuert, kann sich hier leicht vom Gegenteil überzeugen.

Weingut Michael Schiefer, Lauffen, Württemberg

Für uns ein emblematischer Betrieb, weil im Weinregal gute Weine stehen, aber die im Hintergrund wirkende große Leistung eines Einmannbetriebes bleibt verborgen. An dieser Stelle soll sie sichtbar werden.

Obwohl Michael Schiefer von klein auf im Weinberg seiner Eltern war, interessierte er sich später mehr für komplexe, abstrakte Sachverhalte. Deshalb wollte er Physik oder Philosophie studieren. Vorher aber absolvierte er noch eine Winzerlehre und anschließend das Weinbaustudium in Geisenheim, um später in Berlin dann doch wieder auf abstrakte, komplexe Sachverhalte in Form eines Studiums der Philosophie und Musikwissenschaften zurückzukommen. In dieser Zeit, gut dreizehn Jahre her, haben wir Michael Schiefer, den der Wein selbstverständlich nie losgelassen hatte, in einer Runde von Berliner Fachkollegen als hochkompetenten Verkoster mit klarem und gut begründetem Urteil kennengelernt.

Als die Eltern sich im Jahr 2000 zurückzogen, entschloss er sich, den kleinen, nur 4 Hektar großen Betrieb, als Einmannunternehmen weiterzuführen: "Ich war naiv und motiviert genug, um es zu wagen", sagt Schiefer heute. Und er hatte stets eine klare Vorstellung vom Ergebnis seiner Arbeit: "Meine Weine sollen trocken, geschmeidig, ausdrucksstark, aber nicht überladen sein. Weine, die beim Riechen und Schmecken versprechen, dass noch etwas nachkommt", erklärt er mit dem ihm eigenen understatement. Um das, aber auch Klarheit und Prägnanz in Stil und Charakter herauszuarbeiten, beschäftigte er sich fortan mit konkreten, komplexen Sachverhalten, nämlich denen des kompetenten Weinmachens.

Domaine de Laulan, Côtes de Duras

Über alle Veränderungen des Weinmarktes hinweg, ist die Kontinuität eines Weingeschäfts immer auch eng mit der Kontinuität verbunden, mit der ein Winzer es fertig bringt, Jahr für Jahr guten Wein zu machen. Gelegentlich ergeben sich dabei Zeiträume, die so überraschend lang sind, dass man regelrecht innehalten muss, um ihre Bedeutung und ihren Wert zu würdigen. Das gilt für die Weine der Familie Geoffroy aus der kleinen südwestfranzösischen Appellation Côtes de Duras, die das große Kunststück vollbracht haben, uns über mehr als 25 Jahre hinweg mit gleich bleibend guter Qualität auf tadellosem Niveau, ausgezeichnet zu bedienen. Es sind lebendige Weine, die es wie wenig andere schaffen, uns immer wieder aufs neue große Lust auf das tägliche Glas Wein zu machen. Dafür Anerkennung und großer Dank an die Geoffroys.

Les Vignerons d'Estezargues, Côtes du Rhône

Die Estezargues-Winzer beweisen, daß kollektive Arbeit und ausgefeilte Qualitätsansprüche bestens vereinbar sind. Das besondere, herausragende, entsteht hier genauso, wie andernorts aus der Hand eines Individualisten.

Die Vignerons d'Estezargues sind ein kleiner exklusiver Zirkel von lebensfreudigen Könnern. Sie verfolgen konsequent ein Konzept qualitätsorientierten Weinmachens. Die 10 Mitglieder sind nicht einfach nur anonyme Traubenproduzenten, die sich um die Qualität ihrer Ernte nicht groß scheren, weil das meiste davon sowieso in den einen großen Bottich kommt. Hier repräsentiert jeder von ihnen die Weine seines eigenen Weinbergsbesitzes, seiner eigenen Domaine. Die Weine werden separat vinifiziert, damit die Identität des Winzers, seine Arbeitsweise und seines Terroirs gewahrt bleibt. Kooperativ wird hierbei einander zugearbeitet und mit der allen gleichermaßen gehörenden Kelleraus-stattung umgegangen. Für eine Genossenschaft absolut ungewöhnlich ist daüberhinaus die Übereinkunft, dass Zuchthefen, Filtration, Schönung und alle Technologie, die den Wein "denaturiert" aus dem Keller verbannt sind. Mit solchen Qualitätsansprüchen, die sonst nur hochambitionierte Einzelwinzer umsetzen, setzt diese Cooperative Maßstäbe, die selbst viele gute Weinmacher nicht erfüllen.

Hacienda Solano, Ribera del Duero

Zu den Vorreitern des Terroirgedankens in Ribera gehört die Bodega Hacienda Solano. Sie macht mit Weinen auf sich aufmerksam, die Ribera del Duero in eine neue Dimension führen. Sie ist für uns ein emblematischer Betrieb, weil aus solchen Initiativen, uns zur Freude und zum Genuss, bestes zeitgemäßes, nach vorn gerichtetes Weinmachen entsteht.

Vier Schwestern und ein Bruder leiten die kleine Familienbodega aus La Aguilera, nur wenige Kilometer nördlich von Aranda de Duero gelegen. Da es in La Aguilera keine Flurbereinigung gab, stehen hier noch jede Menge alte und sehr alte Rebstöcke, teilweise wurzelecht und aus der Zeit vor der Reblaus. Hacienda Solano besitzt einige dieser Par-zellen, allen voran "Los Cascorrales", gepflanzt zwischen 1890 und 1895: ein sieben Zeilen breiter Streifen, gen Norden abfallend und sehr sandig. Die Lage wird von einem Pinienhain umrandet, ein perfekter Schutz gegen allerlei Wetterkapriolen. 14 der 16 Hektar, die Solano bewirtschaftet, sind alt oder sehr alt - alles ist klassischer Kopfschnitt, alles ist 100 Prozent ökologisch. Zwei Qualitätsselektionen werden durchgeführt: eine bezieht sich auf die Trauben bei der Lese, eine nicht minder strikte auf die Fässer. Da es nur einen Fassabzug gibt, reifen die Weine fast ausschließlich in "ihrem Fass". Alles, was auch nur ein Jota unter der gewünschten Qualität ist, wird konsequent deklassiert und an andere Bodegas abgegeben. Dafür verantwortlich ist die eigentliche Seele des Projekts, die Elsässische Önologin Sophie Kuhn. Sie ist bestens ausgebildet, hat Erfahrungen in Burgund und Australien gesammelt und mischt nun die Ribera-Szene quasi von unten auf, in dem sie Solano und einige andere kleine zur Zeit noch weitgehend unbekannte Familienbetriebe mit ähnlich herausragenden Lagen und altem Rebbestand auf die Spur setzt, ihre Weinberge neu zu bewerten und Weine nach dem Cru-Gedanken zu machen.